"Rein oder raus aus dem Pool" ?

Heißes Eisen für Stadtrat Kaisersesch: Kindergarten-Neubau oder Nutzung eines gemeinsamen Platzangebotes

Was ist eher zu vertreten: Kleine Kinder aus Spargründen in einem "Kindergarten-Pool" hin-und her zu schieben oder die Kosten von rund 1,2 Millionen Mark für einen neuen Kindergarten in Kaisersesch? Mit dieser kniffligen Frage werden sich die Stadtmütter und -väter in den kommenden Wochen auseinander setzen müssen. Von Brigitte Meier KAISERSESCH. Schon bei der Vorab-Beratung in der jüngsten Kaisersescher Stadtratssitzung über die Notwendigkeit eines Kindergarten-Neubaus zeichneten sich unterschiedliche Sichtweisen ab, obwohl zumindest eines klar scheint: Entgegen der jüngsten Erhebungen der Kinderzahlen aus den Jahren 1997/98 wird - bedingt durch nicht berechenbare Zuzüge in Eulgem und Kaisersesch - die Kapazität des sechsgruppigen Kindergartens von 150 Plätzen im Jahr 2001/2 ausgeschöpft sein.
Ein möglicher Neubau soll für zwei weitere und im Bedarfsfall für eine dritte Gruppe konzipiert sein. Später soll die neue Einrichtung nicht nur den Drei- bis Sechsjährigen zur Verfügung stehen, sondern als "Haus des Kindes" auch für die Betreuung von Schulkindern offen sein.
Dem Kindergarten-Zweckverband Kaisersesch gehören die Gemeinden Hambuch und Eulgem an, die insgesamt 45 Kinder zur täglichen Betreuung nach Kaisersesch schicken. In seineBeratungen muss der Stadtrat sowohl die Überlegung Hambuchs einbeziehen, eventuell einen eigenen Kindergarten zu bauen, als auch die Tatsache, dass die Kindergärten Düngenheim und Masburg für zwei Gruppen freie Kapazitäten aufweisen.
Stadtbürgermeister Lutz verlas ein Schreiben von Rita Bleser, Ortsbürgermeisterin von Eulgem, die sich zusammen mit ihrem Rat für einen "Kindergartenplatz-Pool einsetzt", wobei die Kleinen je nach freier Kapazität zwischen Kaisersesch, Masburg oder Düngenheim "die Lücken stopfen" sollen. Rita Bleser macht in ihrem Schreiben darauf aufmerksam, dass in Masburg und Düngenheim Personalentlassungen zu befürchten seien.
"Eine Super-Lösung" nannte Lutz den Pool-Vorschlag, der jedoch nicht von allen Stadtratsmitgliedern so begeistert aufgenommen wurde. Dr. Christiane Buff (FWG Umwelt und Leben) missfiel der Gedanke, "dass nun alle Kinder durch die Gegend kutschiert werden sollen", Dagmar Spangenberg (CDU) befürchtete, dass Geschwister möglicherweise verschiedene Kindergärten besuchen müssen. Fraktionsvorsitzender der SPD, Gerd Gansen verwies zudem darauf, dass nicht der Zweckverband und die Eltern "über das Rein oder Raus aus dem Pool" entscheiden, sondern das Jugendamt der Kreisverwaltung Cochem-Zell. Margret Martini (SPD) empfahl, auch die nicht unerheblichen Transportkosten einem Neubau gegenüber zu stellen.
Die Nutzung eines Pools könne allenfalls eine Not- beziehungsweise Übergangslösung sein, so lange, bis sicher geklärt ist, ob langfristig ein Kindergarten-Neubau erforderlich ist. Auch die Gemeinde Eulgem würde einem Kindergarten-Neubau zustimmen, sollte der Pool erschöpft sein. Dann jedoch würde sie sich für eine gemeinsame Lösung mit Hambuch stark machen. Die Bürgermeisterin schreibt: "Mit einem Kindergartenzweckverband Hambuch/Eulgem wäre der Kindergarten Kaisersesch soweit entlastet, dass dort kein Neubau nötig wäre." Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Kaisers-esch wurde beauftragt, ein "Pool-Konzept" zu erarbeiten und den "Willen der Gemeinde Hambuch" zu erkunden.
Rheinzeitung Ausgabe Cochem-Zell 30.09.1999




"Gratulation zur Firma Classen"

Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage in Kaisersesch - Unterstützung des Landes für weiteren Ausbau zugesagt

Seit sechs Jahren steht die Classen-Gruppe für imponierendes Wachstum und positive Beschäftigungseffekte in der ganzen Region. Davon konnte sich auch der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage bei einem Besuch in Kaisersesch überzeugen und dabei gleich noch eine neue, hochmoderne Kurztaktpresse in Betrieb nehmen. Von Dieter Junker KAISERSESCH. "Ich kann der Region nur gratulieren zu einem solchen Unternehmen." Sichtlich beeindruckt zeigte sich Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage von der Classen-Gruppe in Kaisersesch. "Hier zeigt sich hohe fachliche Kompetenz, ein erstaunliches Investitionsvolumen, eine imponierende Expansion und ein gutes Marktgefühl", so der FDP-Politiker.
Hans-Artur Bauckhage war, gemeinsam mit dem Sprecher der Geschäftsführung der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz, Hans-Joachim Metternich, auf Einladung der Classen-Gruppe in die Eifel gekommen, um sich vor Ort ein Bild über dieses Unternehmen zu machen, aber auch über zukünftige Fördermöglichkeiten und die Unterstützung des Landes bei weiteren Investitionen zu sprechen. "Uns liegt viel daran, dass ein solcher Konzern hier in Rheinland-Pfalz bleibt", meinte der Mainzer Minister.
"Wir haben hier in Kaisersesch und in Eulgem seit 1993 viel aufgebaut", hob Dr. Hans-Jürgen Hannig, der geschäftsführende Gesellschafter der Classen-Gruppe, hervor. Dabei habe die Classen-Gruppe immer auch die positive Entwicklung der ganzen Region im Auge gehabt. Die bisher starke Expansion wolle man auch in der Zukunft beibehalten.
Dass Classen es mit dem weiteren Ausbau des Standortes Kaisersesch/Eulgem sehr ernst meint, davon konnten sich zahlreiche Kommunalpolitiker aus den Ortsgemeinden, der Verbandsgemeinde und vom Kreis gleich überzeugen.
Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage gab gemeinsam mit Dr. Hannig den offiziellen Startschuss für die Inbetriebnahme einer Kurztaktpresse, die weltweit erste ihrer Art, durch die in Kaisersesch 16 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Über sieben Millionen Mark investierte dafür die Classen-Gruppe. Doch damit nicht genug. Direkt anschließend konnte der Wirtschaftsminister den ersten Spatenstich für die neue Halle VI machen.
"Von den 140 Millionen Mark, die die Firma seit 1993 in Kaisersesch und in der Nachbargemeinde Eulgem investiert hat, profitieren vor allem kleine und mittlere Unternehmen", freute sich Minister Bauckhage. Er sei froh, dass die Classen-Gruppe in Rheinland-Pfalz zu Hause sei. Daher könne die Geschäftsführung immer mit der Unterstützung des Landes rechnen. Bauckhage: "Was wir tun können, werden wir tun."
Rheinzeitung Ausgabe Cochem Zell 31.10.1999




Texte gegen Intoleranz, Unmenschlichkeit und Krieg

Erich Kästner-Abend in der Galerie Noack - Ensemble FUSION näherte sich dem Schriftsteller auf differenzierte Weise

EULGEM. "Die Galerie wird zum Theater", sagte Karin Noack zur Begrüßung. Ihr Atelier in Eulgem war Schauplatz für einen bemerkenswerten Kästner-Abend.
Jeder von uns kennt ihn und jeder kennt einen Kästner. Die Frage ist nur, welchen? Damit leitete das Theater FUSION aus Düsseldorf sein "Kaleidoskop aus Texten, Liedern und Zitaten von einem, der das Talent hatte, sich zwischen alle Stühle zu setzen" ein. Jeder kennt Erich Kästner als Autor von "Das doppelte Lottchen", "Emil und die Detektive", "Pünktchen und Anton", "Das fliegende Klassenzimmer". Sein "Emil" wurde gleich ein Riesenerfolg. Es ist nun das Verdienst der Gruppe FUSION, den ganzen, den vielschichtigen Erich Kästner zu würdigen, den Lyriker, den Dramatiker, den Romancier, den Kabarettschreiber, und dabei seine unübertroffene Sprache und seine pointierte Satire, auch den Moralisten Kästner vorzustellen.
Anlass für das Projekt ist das Jahr 1999 als Jahr des 100. Geburtstages und des 25. Todestages. Der in Dresden geborene Erich Kästner studierte in Leipzig Germanistik, Theatergeschichte, Philosophie und Geschichte und promovierte schon 1925. Er arbeitete als Journalist und veröffentlichte Gedichte in verschiedenen Zeitschriften. Es war die Krisenzeit der Weimarer Republik und der Weltwirtschaft. Kästner fand seine Themen in der Unruhe der Epoche, in dem Gebaren der Mächtigen und Reichen. Kleingeist, Kleinkariertheit und Spießbürgerlichkeit griff er an. Seine Texte richteten sich gegen Intoleranz, Unmenschlichkeit und Krieg. Wenn ein Humorist böse wird, macht er sich Feinde.
Am 30. Mai 1933 verbrannten die Nazis seine Bücher. Er bekam Schreibverbot, durfte jedoch im Ausland publizieren, wohl, weil das Devisen brachte. Er wurde später oft gefragt, warum er Deutschland nicht verlassen habe. Er sei geblieben als Beobachter, um über die Diktatur der Nazizeit zu berichten. Aber der Roman über das Dritte Reich wurde nie geschrieben. Vielleicht weil die Worte, das Ungeheuerliche zu berichten, nicht ausreichten.
Nach dem Krieg wurde er Ressortleiter des Feuilletons der "Neuen Zeitung" in München, der amerikanischen Neugründung des Pressewesens in Deutschland. Sein 1955 geschriebenes Theaterstück "Die Schule der Diktatoren" als satirische Aufarbeitung des Dritten Reiches fand wenig Erfolg. Möglicherweise war es noch zu früh für eine Auseinandersetzung in der Zeit des Wiederaufbaus und der Restauration. Kästner schrieb viel fürs Kabarett. Er, der stets an die Verbesserung des Menschen geglaubt hatte, ließ nun auch resignative Töne vernehmen.
Das Ensemble FUSION mit Ilona Schwaab-Kramer, Renate Söhnigen, Anna Seger, Irma Schiskowski, Philipp Kohlen und Thomas Verheyen unter der Regie von Philipp Kohlen näherte sich Kästner auf differenzierte Weise. Schauspielerische Elemente unterstützten den Vortrag der Texte, so dass die Inszenierung einen Revue-Charakter bekam. Der Aufbau richtete sich nach der Chronologie, biographische Angaben ergänzten die literarischen. Verblüffend war es, die Aktualität der Kästner'schen Lyrik zu erkennen.
"Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest, dass der Plan, endgültig Frieden zu stiften, sich gar nicht anders verwirklichen lässt, als alle Beteiligten zu vergiften".
Ursula Augustin Aus Rheinzeitung Ausgabe Cochem-Zell 13. Dezember 1999