Auch Mörder Mayer darf nicht fehlen

Geschichte vom kleinen Eifelort Eulgem - Autor Werner Schumacher spannt einen weiten historischen Bogen

EULGEM. RED. Der kleinste Ort in der Verbandsgemeinde Kaisersesch, Eulgem, der im sogenannten "Urbar" des Kollegiatstiftes zu Karden, das auf das Jahr 1100 datiert wird, erstmals urkundlich erwähnt wurde, hat nun für seine alteingesessenen und neuen Bürger für die ehemaligen Einwohner und die Freunde des Dorfes, die "Geschichte von Eulgem - vornehmlich bis Anfang des 20. Jahrhunderts - herausgegeben.
Der Autor, Werner Schumacher, spannt einen weiten Bogen, der seinen Anfang in den vorgeschichtlichen Funden in der Ortsgemarkung nimmt. Das "Römische Gastspiel" das Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts begann und im 5. Jahrhundert nach Christus durch die Franken, die auch für den Ortsnamen "Eulgem" verantwortlich zeichnen, beendet wurde, wird ebenso angesprochen wie die Zeit, von der man sagte "Unterm Krummstab läßt sich gut leben", die rund fünf Jahrhunderte also, in der die Kurfürsten und Erzbischöfe von Trier die Herrschaft ausübten.
Über die Zugehörigkeit zum napoleonischen Frankreich um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts, zu "Preußens Gloria" ab 1815 bis hin zur Bundesrepublick Deutschland schließt sich der Bogen dann.
Die "Geschichte von Eulgem" bietet dem Leser Einblick in das Zusammenleben der Bürger des Ortes, ihre Rechte und Pflichten gegenüber der Obrigkeit und der Ortsgemeinschaft, die früheren Besitzrechte in der Gemeinde, über das Ortsgeschehen, die Kirche und die Kirchengemeinde sowie die schulischen Verhältnisse. Zum besseren Zeitverständnis ist die spezifisch Eulgemer Geschichte eingebettet in die Geschichte des östlichen Eifelgebietes.
Letztendlich fehlt auch nicht der Bericht über die Untaten, Festnahme, Gerichtsverfahren und Hinrichtung des mehrfachen Mörders Johann Mayer, genannt "Stumpfarm", der in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg im Eifelgebiet zwischen Daun - Ulmen - Mayen - Cochem seine bestialischen Morde beging. Mayer hatte - nach eigenen Aussagen, mehrere Jahre bei einem Bauern in Eulgem als Knecht gearbeitet und wurde auch im August 1919 in der Gemarkung von Eulgem festgenommen.
Das rund 80 DIN-A4-Seiten umfassende, gebundene und teilweise bebilderte Werk ist bei Ortsbürgermeister Alois Weiler und im Gasthaus-Pension Reichert zum Preise von 29 Mark zu erwerben.
Rheinzeitung Ausgabe Cochem-Zell 29.08.1997




Am Namensfest der heiligen Anna wird die winzige Eifelgemeinde zum Anziehungspunkt für Bürger aus nah und fern

Eulgemer Kirmes schon seit 1754 ein Renner

Alter Wallfahrtsbrauch: Menschen zog es zur örtlichen Kapelle

EULGEM. Eulgem, mit rund 140 Einwohnern kleinste Gemeinde der Verbandsgemeinde Kaisersesch, feiert vom 25. bis 28. Juli die "St. Anna Kirmes". Wie jedes Jahr wird der Kirmesmontag wieder zu einem Treffpunkt für die Bewohner der umliegenden Ortschaften werden.
Eine Tradition übrigens, die möglicherweise auf einen alten Wallfahrtsbrauch zurückzuführen ist, denn bereits im Jahre 1754 wird berichtet, daß es die Menschen der umliegenden Orte am Namensfest der heiligen Anna zu deren Kapelle nach Eulgem zog. Sogar Preise von 120 000 Mark für eine Flasche Wein, 20 000 Mark für eine Flasche Bier und 1000 Mark für einen Tanz konnten offenbar den Kirmesbesuch nicht verhindern, so schreibt jedenfalls der Chronist in der Schulchronik von Gamlen über die Eulgemer Kirmes am 29. Juli, im Inflationsjahr 1923.
Das Namensfest der Kirchenpatronin gibt Anlaß, einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf den Ort und die Kapelle zu werfen.
Der Ortsname, als "Hylichenheim" erstmals um 1100 im Urbar des Kardener Stifts genannt, läßt durch seine typische "Heim-"endung, die später zu "em" eingeschleift wurde, auf eine fränkische Siedlung (nach 450 n. Chr.) schließen. Vorgeschichtliche Funde in der umliegenden Gemarkung, die der jüngeren (500 bis 450 v. Chr.) und älteren (750 bis 700 v. Chr.) "Hunsrück-Eifel-Kultur" zugeordnet werden, lassen darauf schließen, daß der Raum schon vor fast 3000 Jahren besiedelt war. Vom Gastspiel der Römer, die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts die Eifel eroberten, zeugt ein römischer Grabhügel im Gemeindewald.
Besitz der Pfalzgrafen
Als Reichslehen war Eulgem später im Besitz der Pfalzgrafen, wurde 1142 wieder Reichsbesitz und kam 1294 "unter den Krummstab", also in den Herrschaftsbereich der Kurfürsten von Trier. Nach 1795 Frankreich angegliedert, wurde der Ort 1815 preußisch. Seit der Herrschaft der Trierer Kurfürsten und über die Franzosen- und Preußenzeit hinaus gehörte Eulgem zum Kommunalverband der Verbandsgemeinde Kaisersesch beziehungsweise deren kurfürstlichen, französischen und preußischen Vorgängerinnen. Die Eulgemer Kinder gingen in Hambuch zur Schule. Zwar lag um 1900 bereits die Genehmigung zu einem eigenen Schulgebäude in Eulgem vor, ein Plan, der wohl letztlich an den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde scheiterte.
Daß die Eulgemer Gemeindeväter ihre Finanzen in Ordnung zu halten wußten, ist auch aus dem noch vorhandenen Protokollbuch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ersichtlich. Danach erwirtschaftete die Gemeinde - mit Ausnahme der Jahre 1918, als elektrisches Licht gelegt wurde, und 1928, als der Ort zentrale Wasserversorgung erhielt - immer Haushaltsüberschüsse.
Trotz der geringen Einwohnerzahl war Eulgem stets darauf bedacht, seine kommunale Eigenständigkeit zu behalten. Selbst als im Rahmen der rheinland-pfälzischen Gebietsreform 1967 der Ort mit der Nachbargemeinde Zettingen zusammengelegt werden sollte, konnte man sich - im Gegensatz zu anderen Gemeinden des Kreises - erfolgreich gegen diese Pläne wehren.
Die Mutterkirche Hambuch, zu der Eulgem immer gehörte, wird bereits im Jahre 866 erwähnt. Im Visitationsprotokoll von 1592 wird Eulgem mit "Ulchem" bezeichnet. Über eine "soeben neu erbauten Annakapelle" zu Eulgem, die etwa zehn mal 15 Fuß groß gewesen sein soll, berichtet das Visitationsprotokoll von 1657. Diese Kapelle stand an der Straßenabzweigung nach Hambuch, etwa dort, wo heute das im Jahre 1920 errichtete Heiligenhäuschen steht, und hatte wahrscheinlich einen eigenen Friedhof, denn beim Bau der Wasserleitung fand man in seiner Nähe menschliche Knochenreste.
Aus alten Urkunden ist offensichtlich, daß das heilige Meßopfer in der St. Anna-Kapelle nicht sehr oft gefeiert wurde, so war 1657 nur eine Wochenmesse gestiftet, und 1680 war die Wochenmesse bereits ein Jahr ausgefallen. 1750 hatte der Ort keinen eigenen Frühmesser, so daß die Kapuziner aus Cochem aushalfen, damit wenigstens zu Weihnachten eine Messe gefeiert werden konnte.
1759 war die Kapelle mit 21 Jahrgedächtnisstiftungen ausgestattet, jedoch nur mit einer Wochenmesse. An Kirmes fand nur ein Gottesdienst statt, keine Frühmesse.
1900 wurde nach den Plänen von Ludwig von Fisenne die heutige Kirche in Eulgem gebaut. Die Ziegel dafür brannten die Eulgemer selbst. 1974 bis 1978 wurde die Kapelle in Eigeninitiative der Einwohner grundlegend renoviert, das Mauerwerk mittels einer Drainage rund um die Kirche trocken gelegt sowie der Innen- und Außenputz teilweise neu aufgetragen.
Eine 1903 angeschaffte Glocke mußte später abgegeben werden und wurde durch die Marienglocke aus Gamlen, die 1524 von Dederich von Prüm gegossen wurde, ersetzt. 1957 erhielt die Kapelle eine "St. Anna-Glocke" und 1978 eine "St. Josefsglocke", so daß heute drei Glocken vom Glockenturm, dem im Jahre 1981 ein neuer Helm aufgesetzt wurde, die Gläubigen zum Gebete rufen.
Ortsbürgermeister Aloys Weiler freut sich schon jetzt darauf, daß er im Spätsommer dieses Jahres den Einwohnern und Freunden seiner Gemeinde eine Ortschronik vorstellen kann, die in fast 80, teils bebilderten Seiten, die Geschichte Eulgems lebendig werden läßt. Werner Schumacher
Leserbrief Rheinzeitung Ausgabe Cochem-Zell 25.07.1997




"Classen KG ist Glücksfall für die Region"

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle zu Besuch in der Eifel - Unternehmen will weiter expandieren und hat große Pläne

Die Classen KG hat viel vor in der Eifel. Unterstützung soll es nun auch vom Land geben, wie Wirtschaftsminister Brüderle bei einem Besuch in Kaisersesch zusagte. Von Dieter Junker Kaisersesch/Eulgem. "Noch ein paar so schöne Unternehmen, dann wäre mir um die Zukunft des Landes nicht bang." Wirtschaftsminister Rainer Brüderle zeigte sich bei einem Besuch beeindruckt von der Entwicklung der Classen KG in Kaisersesch.
Das Unternehmen, seit vier Jahren am Eifelstandort, beschäftigt mittlerweile 355 Mitarbeiter in Kaisersesch, mit steigender Tendenz. Für die geplante Erweiterung wurden in der Nachbargemeinde Eulgem zudem Flächen erworben. Den weiteren Ausbau hat der Konzern fest im Blick.
"Unsere Phantasie reicht aus, um noch ganz andere Dinge anzugehen", betonte der geschäftsführende Gesellschafter der Classen KG, Dr. Hans-Jürgen Hannig, gegenüber dem Minister.
Weitere Investitionen in Höhe von 80 Millionen Mark hatte das Unternehmen bereits im Frühjahr angekündigt. "Wenn wir alle Pläne umsetzen können, dann geht es um ganz andere Summen", meinte Hannig.
Worte, die Brüderle sicher gerne hörte. "Dies ist ein gelungenes Beispiel für Unternehmen, die den Mut zu neuen Dimensionen haben", hob der Minister hervor. Eine solche Entwicklung in nur vier Jahren, "das zählt doppelt in der heutigen Zeit", fügte er hinzu. Modernste Technologie, hervorragende Mitarbeiter und Exportstärke sprächen für den Erfolg der weiteren Expansion.
Brüderle sagte dem Unternehmen daher seine Unterstützung bei dem Standort-Ausbau zu. "Was wir wegräumen können, soll weggeräumt werden", betonte er, auch im Blick auf die Widrigkeiten, von denen Hans-Jürgen Hannig gesprochen hatte. Gemeint waren unter anderem Probleme beim Flächenerwerb oder der Wettbewerbssituation.
"Dieses Unternehmen ist ein Glücksfall für die Region", meinte denn auch Landrat Dr. Klaus-Peter Balthasar in Kaisersesch und betonte, daß der Kreis alles tun werde, um die Classen KG zu unterstützen. Dazu gehöre auch die Wirtschaftsförderung für die Eifelregion durch den Kreis. Als mögliche Geldquelle nannte der Landrat die Dividenden aus den RWE-Aktien des Kreises.
"Es wird alles getan, um die Planungen der Classen KG verwirklichen zu können", hob auch VG-Bürgermeister Ewald Mattes hervor und verwies auf die Qualifizierung von Arbeitskräften und die beschleunigten Genehmigungsverfahren.
Anteil daran hat auch die kleine Gemeinde Eulgem, die zwar keine Fördermittel zur Verfügung habe, wie Ortsbürgermeister Alois Weiler bemerkte, aber beim Bebauungsplan und der Zuwegung kräftig helfe.
Rheinzeitung Ausgabe Cochem-Zell 28.10.1997