Ihr ganzes Leben gehörte der Kreativität


Die Künstlerin Karin Bilio-Noack setzte mehr als 20 Jahre lang kulturelle Akzente in der Region



EULGEM. Mit dem Tod von Karin Noack hat die Region eine künstlerische Inspiration verloren. Seit mehr als 20 Jahren war sie in Eulgem, wo sie in einem alten Haus und dem dazu gehörenden Hof und Garten ihrer vielfältigen Kunst Raum gab. Ihre Freunde nahmen Abschied von einer außergewöhnlichen Künstlerin und einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Die 60-Jährige verlor ihren Kampf gegen eine Krebserkrankung.

Jetzt liegt das alte Bauernhaus in Eulgem im kalten Nebel. Es ist, als fehlte ihm die Seele, die ihm strahlende Wärme gab. Verlassen stehen Kunstwerke im Hof, Steinskulpturen, Eisenobjekte, sie werden nicht mehr vom künstlerischen Blick geleitet ins rechte Licht gerückt.

Als Karin Bilio-Noack und Hans Noack 1981 aus Erkrath bei Düsseldorf in die Eifel kamen und in Eulgem einen alten Restbauernhof mit Scheune umbauten, waren es verschiedene Dinge und Empfindungen, die sie hier heimisch werden ließen. Die Weite der Landschaft, der endlose Raum, die reine Luft, das Leben mit der Natur, die Ausstrahlung des Ortes trugen dazu bei. Und als aus dem alten Haus nach und nach etwas Neues entstanden war, das dennoch das Alte bewahrte, waren es auch die Menschen, die sie in Eulgem aufnahmen und die in der Eifel und an der Mosel zu Freunden wurden.

Die ehemalige Scheune wurde ein kulturelles Zentrum. Eine Galerie entstand, und im Atelier unterm Dach lernten viele Menschen in Karin Noacks Kursen und Workshops Zeichnen und Malen.

Am 11. Juli 1993 stellte die Künstlerin unter dem Titel "Durchs Scheunentor zur Kunst" zum ersten Mal ihre Arbeiten in Eulgem aus. Parallel dazu zeigte sie Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen des Münchener Malers Hans Eiber, dessen Nachlass sie bewahrte. Danach folgten regelmäßig Ausstellungen, Tage des offenen Ateliers und 2000 die Beteiligung an der 900-Jahr-Feier von Eulgem.

Die Galerie wurde auch zum Konzert- und Theatersaal mit einer kammermusikalischen Matinée, einem Kästner-Abend und einem Schattenspiel über den berüchtigten Räuber "Stumparm", wie auch die viel besuchte Komödie am Sommerabend im Hof "Genoveva - oder die weiße Hirschkuh". Immer wieder kamen spontane Musiksessions mit Freunden, die alle gerne das gastliche Haus in Eulgem besuchten, zustande. Karin Noack war eine begeisterte Trommlerin.

Ihre Kunst hat viele Gesichter. Zeichnungen, Porträts und Akte, Malereien, Collagen, Skulpturen aus allen Materialien und Objekte, auch sie aus allem nur möglichen Ursprungsstoff geformt und verfremdet, geben Zeugnis von einer fantasievollen Gestaltungskraft und Kreativität. Da war auf der einen Seite das Arbeiten mit Naturmaterialien, wie etwa unter dem Themenschwerpunkt "Die Geburt der Steine", auf der anderen das mit Altmaterial, "arte povera" genannt, was eine minimale Verwendung von Mitteln bezeichnet.

Vergängliches wurde für einen kurzen Augenblick zur Kunst, wie die grafischen Linien und Muster, die Karin Noack auf den Rand einer mit Wasser gefüllten Blechschale zeichnete, nachdem sie ihren Finger hinein getaucht hatte. Allem am Wegrand Liegenden oder Weggeworfenen schenkte sie Beachtung, sammelte und stellte es in einen ungewöhnlichen Kontext. So entstanden überraschende, oft auch skurrile und witzige Objekte. Das Atelier und die Galerie waren eine unerschöpfliche Fundgrube für reiche Ideen.

Karin Bilio-Noack war ein herzlicher, fröhlicher Mensch mit viel Humor. Dabei hatte sie immer auch die Not anderer Menschen im Blick. Viele ihrer künstlerischen Aktionen kamen karitativen Zwecken zugute. Hans Noack wird das Werk seiner Frau erhalten. In jedem Stück bleibt sie lebendig.

Ursula Augustin


Quelle: Rhein-Zeitung vom 28.12.2004