Katholische "St.Anna-Kapelle"


Eulgem gehörte immer zur Kirchengemeinde Hambuch, was zwangsläufig dazu führt, dass im notwendigen Umfang auch die Kirchengeschichte von Hambuch einfließen muss.

 

 

Die Christianisierung der Osteifel erfolgte von der Mosel aus, zuerst über die damals vorhandenen Straßen, hier wahrscheinlich die Römerstraße von Pommern her kommend. Sicher scheint zu sein, dass der Pfarrverband Hambuch früher entweder zu Karden oder zu Klotten gehörte. Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung ist dabei Klotten den Vorzug einzuräumen, denn sowohl Hambuch als auch die umliegenden Dörfer gehörten früher zum Hochgerichtsbezirk Klotten. Der Kirchengeschichtler Marx glaubt, dass Hambuch schon vor 750 Pfarrei gewesen sein könnte. Die Kirche zu Hambuch wird 866 zum ersten mal urkundlich erwähnt, als die Abtei Prüm einen Fronhof, den ihr die Nonne Buovila geschenkt hatte, der Matrone Hiedilda, "im Maiengau in villa hagenbahc" zur Nutznießung gibt.. Von der Schenkung ausgenommen wird ausdrücklich die Kirche als "nostris usibus obviaticum . . . inibi sitam" erwähnt. Im Güterverzeichnis der Abtei von 893 ist Hambuch nicht erwähnt, jedoch bringt Abt Cäsarius 1222 in diesem Güterverzeichnis die Bemerkung an, dass der Graf von Are ein wertvolles Gut auf dem Maifeld im Ort Hagenbahc habe. Da das Geschlecht der Grafen von Are-Hochstaden auch 1251 bei der Eingliederung der Pfarrei Hambuch zum Kloster Rosenthal bei Binningen und 1322 als die Pfarrei Kaisersesch der Pfarrei Hambuch ausgegliedert und selbstständige Pfarrei wurde mitwirkte, ist anzunehmen, dass die Kirche zu Hambuch, zumindest zum Teil, an den Nürburger Stamm der Grafen von Are verlehnt worden war. Nach dem Aussterben der Herrschaft von Nürburg fielen die Rechte an das Kurfürstentum Köln, dass bis zum Untergang des Kurstaates Zehnt- und (Teil-)gerichtsherr in Hambuch blieb.

1075 wird Hambuch als Pfarrei östlich der Kyll bis zum Mayfeld genannt

 

1251 ist die Pfarrstelle in Hambuch unbesetzt, und Erzbischof Arnold von Trier gliedert den Pfarrverband in das Kloster Rosenthal bei Binningen ein.

 

1334, als die Filialkirche Kaifenheim von Hambuch losgetrennt wird, scheint Kloster Rosenthal dieses Recht allerdings schon verloren gehabt zu haben, denn jetzt erscheint wieder die Abtei von Prüm als Patronin der Kirche. 1445 überläßt der Abt zu Prüm, Johann von Esch, dem Dechanten des Stifts zu Karden, Richard von Revenach (Rübenach) das Recht an der Kirche zu Haimbach. 50 Jahre später, 1495, überträgt Papst Alexander VI. die Kirche des "hl. Johannes des Täufers" zu "Harmbach" an das Stift St. Simeon in Trier.

 

Die Pfarrei gehörte immer zum Bistum Trier, ausgenommen 1802-1824, als sie durch die Französische Besatzung dem Bistum Aachen angegliedertund gleichzeitig Sukursale (= Hilfspfarrei) der Kantonspfarrei Kaisersesch wurde. Im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit war sie dem Dekanat Ochtendung angegliedert, kam 1827 zum Dekanat Cochem, 1869 zum Dekanat Kaisersesch und gehört seit 1971 zum Dekanat Maria Martental.

 

Um 1300 gehörten zur Pfarrkirche Hambuch die Filialkirchen in Kaisersesch, Kaifenheim, Gamlen, Zettingen, Brachtendorf und Eulgem. Im Laufe der Jahrhunderte wurden von der Mutterkirche die Filialkirchen in Kaisersesch 1321 und in Kaifenheim 1334 losgetrennt. Brachtendorf kam 1802 zur Pfarrei Kaifenheim.

 

Zur Mutterkirche Hambuch gehören heute noch die Filialkirchen in Eulgem, Gamlen und Zettingen.

In einer Visitationsurkunde der Pfarrei Hambuch von 1592 wird der Ort Eulgem mit "Ulchem" bezeichnet.

Erstmals im Visitationsprotokoll der Pfarrgemeinde Hambuch von 1657 ist die Rede von "einer soeben neu erbauten Annakapelle" zu Eulgem, die einen Altar und einen Kelch besitzt. Das Vermögen der Kapelle beträgt 14 Gulden. Eine Wochenmesse ist gestiftet, wofür der Zelebrant 6 Gulden erhält. Diese Kapelle soll etwa 10 x 15 Fuß groß gewesen sein und an der Stelle gestanden haben, an der heute das Heiligenhäuschen an der Straßenabzweigung nach Hambuch steht.

 

Die Visitation von 1680 berichtet, dass die Wochenmesse bereits über 1 Jahr ausgefallen sei. Dem lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Anton Mertes aus Eulgem hatte von der Kapelle 3 Wiesen für 75 Gulden gekauft und zwei davon an Nikolaus Schuster aus Gamlen für 150 Gulden wieder verkauft. Aus dem Verkaufspreis von 75 Gulden sollte die Wochenmesse in Eulgem bezahlt werden. Statt des Bargeldes übergab Mertes aber etliche schlechte Güter, die keinen Ertrag brachten, an die Kapelle. Die Folge war, dass man den Pastor nicht bezahlen konnte und dieser deshalb keine Wochenmessen mehr las. Der Kirchenvisitator war der Meinung, dass der Ankäufer die Kapelle betrogen habe und erklärte den Grundstücksverkauf für nichtig, da er "gegen die geistlichen Rechte verstoße und ohne Erlaubnis der kirchlichen Obrigkeit geschlossen worden war."

 

Die Kapelle ist 1680 in gutem Zustand. Es sind vorhanden: 1 Zinnkelch, 2 Kaseln, 2 Missale - eines davon beschädigt-.

1742 hatte die Kapelle Einnahmen von 18 Gulden, aber noch insgesamt 191 Gulden Außenstände.1750 dürfte Eulgem keinen eigenen Frühmesser gehabt haben, so wird z.B. berichtet, dass die Kapuziner aus Cochem wenigstens zu Weihnachten in Eulgem (und Zettingen) aushalfen. 1759 werden die Einnahmen mit 71 Gulden angegeben. Vier Kapellenwiesen bringen Einnahmen von 9 Gulden. Die Ausgaben der Kapelle beliefen sich 1759 auf 41 Gulden. Für die Kapellenrenovierung, es wurden u.a. neue Eisenstangen vor den Fenstern und neue Fensterumrandungen angebracht, sind insgesamt 13 Gulden ausgegeben worden. Die Kapelle in Eulgem bezog 1759 Einnahmen für 21 Jahrgedächtnisstiftungen. Wochenmessen fanden aber kaum statt, denn dafür werden nur insgesamt 1 Gulden und 6 Albus in der Kirchenrechnung als Ausgaben angegeben. Als Ausgabe für den Frühmesser (Hilfsgeistlicher der eine Frühmesse hält), Heinrich Hegebaum (?) werden lediglich 12 Albus angegeben, was darauf schließen lässt, dass nur eine Frühmesse in Eulgem gehalten wurde. Am Fest der Kirchenpatronin St. Anna fand nur ein Gottesdienst statt, aber keine Frühmesse. Pfarrer Stein nimmt an, dass diese Kirmesmesse von einem auf Besuch weilenden Geistlichen gehalten wurde.

 

Wenn hier von Kirchenvisitationen die Rede ist, muss auch erwähnt werden, dass bei diesen Visitationen oft auch die so genannten Send- oder Sintgerichte, das sind geistliche Gerichte, die in der Hauptsache über kirchliches und sittliches Fehlverhalten der Einwohner zu Gericht saßen, tagten. Die Schöffen des heiligen Send (Sint) hatten dem geistlichen Gericht die Fehltritte ihrer Mitbürger zu berichten. So wurden z.B. bei der Visitation in Hambuch vier Personen verurteilt, die den Sonntag "entheiligt" hatten und ebenfalls vier Personen wegen sexueller Verfehlungen. Die Bestrafung bestand meist in, für die damaligen Einkommensverhältnissen erheblichen, Geldsummen. 1616 betrug die Summe aller Bestrafungen 18 Gulden und 10 Albus. Davon erhielten allein die Sendschöffen 16 Gulden und 3 ½ Albus, eine Summe, die dafür spricht, dass ihnen sehr daran gelegen sein konnte, recht viele Gemeindebwohner vor das Gericht zu bringen; denn je höher die Strafen ausfielen, desto höher war ihr Anteil an den Gerichtsbußen. 1616 wurde ein Mädchen "das sich vergangen hatte", damit bestraft, dass es eine Wallfahrt nach Klausen unternehmen dort beichten und nach Rückkehr dem Pastor von Hambuch eine Beichtbescheinigung vorlegen mußte. Aus welchen Gemeinden des Pfarrbezirkes Hambuch die 1616 vom Kirchengericht bestraften Personen stammten, berichtet der Chronist leider nicht.

 

Im Jahre 1900 wurde nach Plänen des Architekten Ludwigvon Fisenne eine neue Kapelle erbaut, die heutige Kirche in Eulgem. Die Ziegel für diesen Neubau sollen die Eulgemer selbst im Ort gebrannt haben. Zur Ausstattung der Kapelle berichten die "Kunstdenkmäler für den Kreis Cochem auf Seite 360: "Vom Altar der hl. Anna stammen die Holzfiguren einer hl. Anna und der jungen Maria, 90 cm hoch, 17. Jh., leider mit Gold- und Silberbronze behandelt".

 

 

Von 1974 bis 1978 wurde die Kapelle - mit großer Eigeninitiative der Eulgemer Einwohner, grundlegend renoviert. Das Mauerwerk wurde durch Verlegung einer Drainage rund um die Kirche trocken gelegt. Innen- und Außenputz mußten teilweise abgetragen und neu aufgebracht werden. Im Kircheninnern erneuerte man den Anstrich, den Boden, die Eingangstür und baute eine Elektroheizung ein. Als krönender Abschluß der Arbeiten wurde die neue "St.-Josefs-Glocke" an Kirmes 1978 geweiht.

Im April 1981 erhielt der Glockenturm einen neuen Helm.

 

 

In der St. Anna-Kapelle befinden sich derzeit drei Glocken, eine Marienglocke, eine Annaglocke und die St. Josefs-Glocke von 1978.

Bezüglich der beiden erstgenannten Glocken, gilt auch für Eulgem die fast überall zu findende Misere, daß keine verläßliche und umfangreiche Auskunft in der Glockenkunde zu erhalten sind. Weder von den kirchlichen Institutionen (Bistümern) noch von den staatlichen (Landesdenkmalämter) gibt es eine vernünftige Inventarisierung des derzeitigen Glockenbestandes.

Auch die Recherchen bei den Einwohnern brachten leider keine genauen Daten.

Für die St. Anna-Kapelle zu Eulgem (und für die Filialkapelle in Zettingen) berichtet der "Fragebogen über den Bau- und die Inneneinrichtungen von Kirchen" aus dem Jahre 1845 von "einer kleinen Glocke ohne Inschrift". Die Tatsache, daß diese Glocke keine Inschrift hatte, könnte darauf hindeuten, daß es sich hierbei noch um eine romanische Glocke aus der Gründerzeit handelte, die in der Regel ohne Inschrift waren, während alle späteren Glocken normalerweise Inschriften trugen.

 

Wackenroder in "Kunstdenkmäler des ehemaligen Kreises Cochem" (1959), Seite 360 und Schug in "Geschichte der Pfarreien des Dekanats Ochtendung" (1966), Seite 136 sagen übereinstimmend, daß die im Jahre 1903 angeschaffte Glocke später abgegeben werden mußte und durch die im Jahre 1524 gegossene Glocke aus der Kapelle zu Gamlen mit der Inschrift: "MARIA HEISSEN ICH, DEDERICH VON PRUEM GUS MICH MVcXXIIII" ersetzt wurde. Da bei den Ablieferungen in beiden Weltkriegen immer eine Glocke - in der Regel die kleinste - in den jeweiligen Kirchen und Kapellen verbleiben konnte, muß davon ausgegangen werden, daß sich bei der Abgabe der 1903 gegossenen Glocke, noch eine andere in der Kapelle befunden hat..

Nach der von Pfarrer Karl Stein im Jahre 1935 verfaßten "Geschichte der Pfarrgemeinde Hambuch befand sich diese Glocke damals noch in Gamlen. (Pfr. Stein gibt die Jahreszahl mit "1523" an. Schreib- oder Abschreibfehler!), was bedeutet, daß die Glockenabgabe in Eulgem im zweiten Weltkrieg erfolgte und der Ersatz durch die Glocke aus Gamlen nach diesem Krieg erfolgte.

 

Die "Annaglocke" könnte möglicherweise aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen stammen.

Dies wäre der Bericht über die Glocken der "St. Anna-Kapelle" in Eulgem gewesen, der sich aus der Literatur sowie den Aussagen des Bistumsarchivs und des Rheinischen Archivs für Glockenkunde und den darin enthaltenen - und begründeten - Mutmaßungen ergeben hatte. Recherchen beim rheinland-pfälzischen Landesamt für Denkmalpflege, die anfangs ergebnislos geblieben waren, führten jedoch, nach Einschaltung des Kultusministeriums, letztlich dazu, daß das Landesamt für Denkmalpflege die Kopie einer Erhebung über die Glockenbestände im Jahre 1960 zur Verfügung stellte, die nach Beginn der Drucklegung eingegangen ist. Danach waren 1960 in der Filialkirche Eulgem der Pfarrkirche Hambuch folgende Glocken vorhanden:

Lfd. Nr. 1: Gewicht 58 kg.; Durchmesser 46 cm; Ton: ?; Gießer: 1524

Lfd. Nr. 2: Gewicht 12o kg.; Durchmesser 46 cm; Ton: "a"; Gießer: 1957

Unter der Voraussetzungen, daß die 1960 dem Landesamt für Denkmalpflege gemeldeten Angaben den Tatsachen entsprechen, bedeutet dies, daß die "St. Anna-Glocke" nicht, wie vom Rheinischen Institut für Glockenkunde vermutet, aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen stammt, sondern im Jahre 1957 angeschafft wurde.

 

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt wurde dort, wo die frühere Kapelle stand, bereits im Jahre 1920 ein Heiligenhäuschen zu Ehren der Schmerzhaften Mutter errichtet. Ein eingemauerter Stein in der Rückseite weist die Jahreszahl 1627 auf. Weil in der Nähe dieses Heiligenhäuschens bei Bau einer Wasserleitung im Jahre 1928 menschliche Knochen gefunden wurden, nimmt man an, dass dort vielleicht einmal ein Friedhof gewesen ist. In die Kapelle eingelassen ist ein Missionskreuz von 1760 und ein, aus der früherern Kapelle stammender Weihewasserkessel.

 

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt wurde dort, wo die frühere Kapelle stand, bereits im Jahre 1920 ein Heiligenhäuschen zu Ehren der Schmerzhaften Mutter errichtet. Ein eingemauerter Stein in der Rückseite weist die Jahreszahl 1627 auf. Weil in der Nähe dieses Heiligenhäuschens bei Bau einer Wasserleitung im Jahre 1928 menschliche Knochen gefunden wurden, nimmt man an, dass dort vielleicht einmal ein Friedhof gewesen ist. In die Kapelle eingelassen ist ein Missionskreuz von 1760 und ein, aus der früherern Kapelle stammender Weihewasserkessel.

Das Heiligenhäuschen, dass 1983 von der freiwilligen Feuerwehr renoviert und restauriert wurde, wird von den Bewohnern gepflegt und ist, in der Ortsmitte liegend, zu einem Schmuckstück des Dorfes geworden.



Aus der Chronik von Eulgem
Mit freundlicher Genehmigung © Werner Schumacher