Chronik




Um 1100 Hylichenheim; 1278 Holichenheim, 1427 Ulchenheym, 1592 Ulchem, 1656/7 Eulchem, 1789 Eultgem

Zweifelsohne handelt es sich bei Eulgem um einen so genannten "Heim-Ort", bei dem die Namensgebung auf die Frankenzeit anzusetzen ist. Als die Franken nach 450 n.Chr. in unsere Heimat kamen, ließen sie sich zuerst im Moseltal nieder und bezogen dort die Dörfer, die nur noch wenige Einwohner hatten, weil die ursprüngliche Bevölkerung entweder bei feindlichen Überfällen umgekommen, oder vor den Feinden geflohen war. Nachdem das Moseltal und die sich zu ihm neigenden Hänge keinen ausreichenden Platz mehr boten, zog es sie auf die Höhen, wobei sie natürlich das fruchtbarere Land der Osteifel bevorzugten. Bezeichnenderweise liegen einige dieser "Heimorte" im Kreis Cochem-Zell ziemlich dicht bei einander (Düngenheim, Kaifenheim, Binningen, Zettingen, Eulgem und Gamlen). Die typisch germanische Endung "Heim" wurde in späterer Zeit zu "em" bzw. "en" eingeschleift.

Um die einzelnen "Heim"-Orte von einander unterscheiden zu können, gab man ihnen zu dem Grundwort "Heim" einen Zusatz, der i.d.R. entweder aus einem Personennamen oder aus einer Geländebeschreibung bestand.

Über die Interpretation des Unterscheidungszusatz "Hylichen-" bzw. "Holichenheim" oder auch "Eulchem" will ich einmal spekulieren. Abgesehen davon, dass es sich auch um eine Namensbezeichnung handeln könnte, bieten sich noch andere Möglichkeiten an, nämlich:

Hylichen-, Holichenheim, Ulchem könnte aus dem Wortstamm "Ulmus" "Hylmene" für den Ulmenbaum stammen, womit "das Heim an einem Ulmenwald" gemeint sein könnte oder aber, der Name kommt von "Olk" "Ulca" was so viel bedeutet, wie "Land das mit dem Pflug bearbeitet werden kann oder bearbeitet ist". Dass die lateinische Eintragung im Urbar des Stifts von Karden, dessen Erstellung auf 1100 datiert wird, als "terram arabilis" die letztere These erhärtet, weil sie genau das gleiche wie "Olk" bzw. "Ulca", nämlich "gepflügtes bzw pflügbares Land" bedeutet, ist zwar nicht unbedingt anzunehmen, weil die Klöster ihr Ackerland möglicherweise immer so bezeichneten, es fällt aber auf2. (Zur Wortbedeutung "Olk-Ulca" siehe Jungandreas, Wolfgang: Historisches Lexikon der Siedlungs- und Flurnamen des Mosellandes)

Dr. Beestermöller weist darauf hin, dass "Ul" "Al" "E(u)l" -Orte auch in den keltischen Sinnzusammenhang "Sumpf" gehören könnten, wobei dann später das keltische Grundwort "eingedeutscht" wurde. Zur Erhärtung dieser These werden im allgemeinen Flurnamen beigezogen. Entsprechende Flurnamen wie z.B. "In der Brohl" = keltisch "sumpfige Wiese", "Kännwiese" = von lat. canna "Schilf"sind zwar in der Gemarkung anzutreffen, die Flurstücke liegen aber nicht so nahe am Ort, dass sie als namengebend anzusehen sind und treten auch nicht häufiger auf als in anderen Orten. Im übrigen dominieren in der Gemarkung Flurnamen, wie z.B. "Beul-höchst" = mhd. von bühel = Hügel, "Hostet" was etwa "mit Buschwerk bestandene Trümmerstätte" bedeutet, "Hardt" = mhd. "Wald", "Heistert" = germ. "Buche", "Senger (Sänger)" was wahrscheinlich "durch Sengen gerodetes Land" bedeutet oder "Kunn" = von lat. ""commodus" "commodo terra" = leicht zu bearbeitendes bzw. bequem zu erreichendes Land.

Andererseits sollen abseits des jetzigen Ortes, in Bachnähe, Steinreste gefunden worden sein, die möglicherweise auf eine frühe Ansiedlung hingedeutet haben könnten, diese wurden aber - soweit bekannt - nicht entsprechend untersucht.

Es ist natürlich möglich, daß diese Steinfunde von einer frühen Ansiedlung (oder einem Hof bzw. einer (Öl-)Mühle) stammen, die sich bereits vor der Inbesitznahme des Landes durch die Franken an dieser Stelle befunden hat. Die Namengebung der "Heim-"orte ist aber auf die Franken zurückzuführen und diese fühlten sich, als Bauernvolk, in den Steinbauten, Siedlungen und Kastellen, die die Römer zurückgelassen hatten, nicht wohl, mieden sie und bauten sich kleine Dörfer aus Holz- und Flechtwerkbauten.

Was letztlich richtig ist, ich weiß es nicht, und man wird es wohl auch nie mit letzter Sicherheit ergründen können.

Aus der Chronik von Eulgem
Mit freundlicher Genehmigung © Werner Schumacher